• #UniBiUnited

    Erfahrungsberichte aus der Universität Bielefeld

    Blick auf die Universitätsgebäude
    © Universität Bielefeld
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Das Arbeiten an der Uni ist in diesen Tagen auf den Kopf gestellt. Hier berichten Beschäftigte der Universität Bielefeld, wie sie die Zeit im reduzierten Basisbetrieb erleben und welche Strategien sie verfolgen, um sich zu organisieren und ihre Arbeit zu erledigen. Die Situation erfordert derzeit viele Kompromisse, Kreativität und Solidarität untereinander. Schreiben Sie uns gern, wenn Sie Tipps und Tricks weitergeben können, die auch anderen in der Uni das Arbeiten erleichtern können.

E-Mail an: uni.intern@uni-bielefeld.de



Stipendienprogramm im Homeoffice

Katja Urhahne, Geschäftsführerin der Stiftung Studienfonds OWL

Screenshot von einem Video-Meeting
© Studienfonds OWL

13. März: Corona-​Shutdown. Dass unser Team ins Homeoffice geschickt wurde, war für uns zunächst nichts Neues. Ein bis zwei Tage Homeoffice pro Woche hat auch vor Corona bereits wunderbar funktioniert.

Neu für unser kleines Team und eine echte Herausforderung hingegen war und ist immer noch das gleichzeitige Arbeiten und Betreuen unserer Kinder, die alle noch im Kita- und Grundschulalter sind: Hunger, Pipi, Durst, „Homeschooling“, mitunter große Langeweile, gepaart mit Emotionen wie Ungeduld, Frust, Trauer und Nörgelei gehören seit Corona zur Tagesordnung und müssen neben der Arbeit irgendwie bewerkstelligt werden.

Als Team sind wir digitaler geworden: skype, jit.si, zoom und schließlich TEAMS. Gerade bereiten wir unsere erste digitale Vorstands-​ und Kuratoriumssitzung vor. Moderation, Präsentation, Redebeiträge, Beschlussfassung im Online-​Raum – alles muss neu durchdacht und geplant werden.

Unser ideelles Förderprogramm (wöchentliche Veranstaltungen von Förderern für Stipendiaten) haben wir zunächst nur zögerlich in den digitalen Raum verlegt. Macht das Sinn, geht das? Können und wollen die Förderer das mitmachen, sind nicht andere Dinge gerade wichtiger? Wir waren skeptisch, wurden aber schnell eines Besseren belehrt: Unsere Förderer (Unternehmen, Vereine, Organisationen) erwiesen sich als höchst flexibel und kreativ! Diskussionsrunden, Kaminabende, Unternehmenspräsentationen und sogar digitale Stadtrundgänge stehen seitdem wöchentlich für Stipendiaten und Alumni auf dem Programm. Und die Teilnehmerzahlen sind sogar höher als vor Corona.

Fundraising in Corona-​Zeiten - eine echte Herausforderung. Wir müssen mit einem Spendenrückgang rechnen. Dabei wäre eine Beibehaltung oder Erhöhung der Stipendienanzahl wünschenswert, haben sich im April doch ein Drittel mehr Studierende auf ein Stipendium beworben als zuvor! Das hat uns positiv überrascht. Womöglich hatten die Studierenden wegen Corona einfach mehr Zeit, um eine Bewerbung vorzubereiten.

Ob wir die Stipendienvergabe im Herbst gemeinsam begehen können, wird die Zukunft zeigen. Es bleibt spannend – und jeden Tag neu!

„Kultur geht auch im Netz, aber Zoom ersetzt nicht alles!“
  • © Hans-Martin Kruckis
  • © Gemälde: National Gallery of Art, Washington D.C.

Dr. Hans-Martin Kruckis leitet das Zentrum für Ästhetik

Gerade 2020 sollte kulturell so viel passieren, und nun mussten wir alles in der geplanten Form canceln: Vorweg das art/science-Festival zum Thema „Zensur“ im Juni mit vielen prominenten Gästen und einem spannenden Programm. Aber: Jammern hilft nicht, Sicherheit geht nun mal vor, und ich finde das Krisenmanagement der Uni - unter Einbau eines großen Vertrauensvorschusses für die Beschäftigten - absolut vorbildlich. Mit der Kultur geht es vor Ort erstmal wie überall nur digital weiter, und wir wollen versuchen, möglichst viel unserer ursprünglichen Planungen ins Netz zu transferieren. Vor allem: Diskutieren Sie dort demnächst mit uns das spannende Buch „Achtung Zensur!“ von Nikola Roßberg!

 

Ansonsten: Von zu Hause und nur virtuell mit den Kolleg*innen zu kommunizieren erzeugt Entzugserscheinungen. Jetzt wird nochmal viel deutlicher, was man an ihnen hat und wie bunt der Uni-Alltag mit Mittagspause in der Mensa und vielen informellen Kontakten doch ist - Zoom ersetzt das einfach nicht! Vor allem aber: Homeoffice mit Home-KiTa für einen Sechsjährigen und Homeschooling für einen Neun- und einen Elfjährigen zu kombinieren, ist ein Abenteuer für sich. Von Arbeitsrhythmus keine Spur, permanente Improvisation ist angesagt. Bevor die häuslichen Strukturen völlig aus dem Leim gehen: Sinnvolle Beschäftigung mit Kultur für die ganze Familie. Vom Getty-Museum in LA geht augenblicklich eine riesige Welle des Nachstellens von Kunstwerken aus, und meine Frau hat die Idee, das Ganze als Stadtteil-Outdoor-Museum zu organisieren. Die Resonanz der Babenhauser darauf ist überwältigend – an vielen Haustüren findet man jetzt Abbildungen der Originale und dessen, was die Kreativität der Bevölkerung in Uni-Nähe daraus gemacht hat. Und dabei nicht zu bescheiden sein. Es darf schon die Familie George Washingtons sein, an die man sich heranwagt, mit allem, was der Keller an alten Klamotten und möglichst absurden Requisiten hergibt. Kommen Sie doch mal zum Kucken vorbei – oder noch besser: Machen Sie sowas auch!

Der Zusammenhalt in der Abteilung ist noch stärker geworden

Elke Neumann leitet die Fachbibliotheken Geschichtswissenschaft, Philosophie, Theologie, Kunst, Geowissenschaften, Soziologie und Geschlechterforschung im Gebäude X.

Arbeitsplätze in der Bibliothek
© Universität Bielefeld

„Wir arbeiten zurzeit mit eingeschränkten Öffnungszeiten von 10 bis 16 Uhr. Alle Mitarbeiter*innen unseres Teams sind jeweils zwei Tage im Homeoffice und dann im Wechsel an den Ausleihterminals. Die Arbeit hat sich schon stark verändert. Es gibt sehr viel mehr Organisatorisches zu klären, wir haben mehr Besprechungen als sonst. Oft ist eine schnelle Reaktion gefragt, weil neue Herausforderungen bewältigt werden müssen. So wurde beispielsweise das E-Book-Programm deutlich ausgeweitet.

Die Universität hat immer gut unterstützt. So wurden Plexiglasscheiben zum Schutz der Mitarbeiter*innen erstellt und angebracht, die den provisorischen Schutz aus Folien ersetzt haben. Wir fühlen uns dadurch relativ sicher. Das ganze Team hat die Beibehaltung der Öffnung der Bibliothek mitgetragen und alle haben sich Gedanken gemacht, wie das gut zu regeln ist. Vielleicht behalten wir den Schutz auch! Denn es gibt ja nicht nur Coronaviren.

Wir sprechen viel mehr miteinander, weil sich immer wieder etwas ändert. Jeden Morgen gibt es vor der Öffnung der Bibliothek eine Teamrunde im Lesesaal – natürlich mit viel Abstand. So ist der Zusammenhalt in der Abteilung sogar noch besser geworden.  Diese Besprechung werden sich leider nicht so in den Normalbetrieb überführen lassen. Bei den normalen Öffnungszeiten, und den verschiedenen Schichten ist das nicht zu realisieren.

Natürlich fehlen die Studierenden. Der leere Lesesaal mit den gesperrten Arbeitsplätzen ist schon befremdlich. Die Studierenden dürfen derzeit nur für eine kurze Recherche in die Bibliothek. Auch ausführliche Beratungen vor Ort fallen zurzeit aus. Wir bieten allerdings Beratungen per Mail, Chat oder Telefon an."


 

Ein ungewöhnlicher Start ins Volontariat

Florentina Follmer, seit April Volontärin im Referat für Kommunikation, Team Medien und News

Screenshot von einem Zoom-Meeting mit allen Kolleginnen und Kollegen
© Alena Voelzkow

"Der erste Tag ist immer aufregend. Tausend Dingen schwirren dir vorher durch den Kopf: Werde ich mich gut eingewöhnen? Bin ich den Aufgaben überhaupt gewachsen? Werden mich meine Kolleg*innen mögen? Fragen wie „Funktioniert das Mikrofon an meinem Laptop? Hält meine Internetverbindung durch?“ oder „Wo bekomme ich jetzt auf die Schnelle noch ein Head-Set her?“ zählen unter gewöhnlichen Umständen aber eher selten dazu. Der Beginn meines Volontariats im Referat für Kommunikation war aber alles andere als „gewöhnlich“. Und so saß ich dann auch eine halbe Stunde vor meinem ersten offiziellen Zoom-Meeting am 01. April an meinem Schreibtisch und überprüfte alle paar Minuten hibbelig mein Computer-Audio.

Als ich dann wenig später direkt in einer großen Teambesprechung mit fast allen Mitarbeiter*innen des Referats saß, war das im ersten Moment schon ein seltsames Gefühl. Das legte sich allerdings recht schnell, als ich feststellte, dass nicht nur für mich, sondern auch für meine neuen Kolleg*innen die Situation noch vollkommen neu und ungewohnt war. Trotzdem gab jede*r sein Bestes, dass ich mich auch ohne direkt vor Ort zu sein sofort willkommen fühlen konnte – auch wenn dafür ein bisschen improvisiert werden musste: Damit, dass es mitten in der Vorstellungsrunde an meiner Haustür klingeln und mir ein Blumenstrauß überreicht werden würde, hatte ich jedenfalls nicht gerechnet und war ziemlich überwältigt (wie auch gut auf dem Foto zu sehen ist).  

Ich gebe zu: Am Anfang hatte ich ein bisschen Sorge, ob so ein Jobstart im Home-Office überhaupt funktionieren kann. Umso positiver hat es mich überrascht, wie reibungslos dann doch alles geklappt hat. Natürlich gibt es immer mal wieder das ein oder andere Problem und einiges dauert auch einfach ein bisschen länger als gewöhnlich – schnell um den PC herumschauen oder kurz ins andere Büro rübergehen, wenn ich Fragen habe, funktioniert zum Beispiel nicht – aber für jedes Hindernis haben wir bisher gemeinsam eine Lösung gefunden.

Der persönliche Kontakt fehlt natürlich trotzdem. Umso schöner wird es für mich sein, wenn ich meine Kolleg*innen dann das erste Mal nicht nur über den Bildschirm, sondern live im Büro sehen kann! Und ein Gutes hat das Ganze auf jeden Fall: Von meinem so ganz und gar nicht gewöhnlichen Volo-Start werde ich bestimmt noch meinen Enkelkindern erzählen."

Lernen in einem „experimentellen“ Semester

Dr. Nils Hasenbein, Beauftragter für Studienangelegenheiten in der Fakultät für Biologie

Experimentierkasten der Biologie
© Nils Hasenbein

„Die Kunst des Experimentierens zu erlernen, Lebensräume selber zu erleben und zu erkunden, Organismen mit dem Blick der Wissenschaft zu betrachten und verstehen zu lernen - dazu dienen in der Biologie Praktika, Übungen und Exkursionen. Wie in allen Fächern, in denen das Erwerben praktischer Fähigkeiten einen untrennbaren Bestandteil der Ausbildung darstellt, ist ein Semester(-​start) ohne Präsenzveranstaltungen für die Lehrenden in der Biologie eine besondere Herausforderung.

Es wird sich nicht alles ersetzen lassen, was in einem "normalen" Semester möglich wäre. Aber vielleicht doch mehr, als man zunächst denkt? Karsten Niehaus, Hanna Bednarz und Judith Kampe aus der Abteilung Proteom-​ und Metabolomforschung haben einen ihrer Kurse mit einem Experimentierkasten ausgestattet, mit dem die Studierenden zuhause Chlorophyll extrahieren und mit der mitgelieferten UV-​Lampe zum Fluoreszieren bringen oder symbiontische Bakterien mit Pflanzen kultivieren können. Dabei berühren sie sogar - aus aktuellem Anlass - Themen der Infektionsbiologie. In einem anderen Kurs bestimmen die Teilnehmer*innen gemeinsam mit den Kursleiterinnen Caroline Müller und Rabea Schweiger im Online-​Seminar Pflanzen. In wieder anderen Kursen werden Experimente abgefilmt, oder nehmen die Studierenden als "virtuelle Gäste" am Experiment im Labor teil.

Über geteilte Zoom-​Bildschirme werden neue Programme erlernt, Tablets sind als virtuelle Tafel in einer Online-​Vorlesung im Einsatz. Exkursionen führen die Studierenden in manchen Kursen eigenständig durch: Sie bestimmen Arten und dokumentieren Lebensräume mit ihrem Smartphone und besprechen "ihre" Exkursion im Online-​Seminar nach. Studierende im Lehramtsstudium holen sich - verteilt über viele Gärten und Balkone, Kübel und Töpfe - die Welt der Nutzpflanzen nach Hause und führen darüber ein digitales Portfolio. Im "digital vernetzten Garten" wachsen nun schon mehr als 50 Arten, und noch sind nicht alle Rückmeldungen zusammen.

Lehrende und Studierende, wir alle an der Fakultät, werden uns im Laufe des Semesters sicherlich oft wieder Präsenzlehre herbeiwünschen, weil manches nicht so gelingt wie gedacht - so ist das in jedem Experiment, und so wird es auch in diesem „experimentellen“ Semester sein. Aber wie bei guten Experimenten werden wir aus Gelingen und Scheitern Vieles lernen. Zusammen.“

„Immer schön flexibel bleiben…“

Anne-Kristin Fast, Veranstaltungsmanagerin im Referat für Kommunikation

Veranstaltungsankündigung mit dem Hinweis Abgesagt
© Anne Fast

„Als Anfang März klar wurde, dass wir die erste Veranstaltung in 2020 tatsächlich absagen werden, war das schon ein komisches Gefühl. Mit der Verschiebung des Semesterstarts und der Ankündigung des Online-Semesters war es dann amtlich: 2020 wird es vorerst keine Veranstaltungen mehr geben. Dass wir für einige Anlässe neue Formate finden mussten, erklärt sich von ganz allein: Es stand außer Frage, dass die Erstsemester – wenn auch nicht im Hörsaal – doch ordentlich und von offizieller Seite begrüßt werden sollen. Ein Online-Format musste also her und wurde auch gefunden. Erweitert wurde das Ganze dann um eine Online-Fragestunde für alle Studierende, in der Rektor, Prorektorin und Dezernentin für Studium und Lehre die besonders wichtigen Fragen der Studierenden in einem Livestream beantwortet haben.

Es fühlt sich komisch an, besonders nach dem aus Veranstaltungssicht sehr ereignisreichen Jubiläumsjahr 2019 – sozusagen von 100 auf 0!

Nun haben wir Mai und inzwischen ist allen klar, dass wir in diesem Jahr wohl nicht wieder zur Normalität zurückkehren werden. Trotz abgesagter Veranstaltungen, kann ich aus der Entstehung der neuen Formate durchaus positive Aspekte ziehen: Es gibt neue Aufgaben und damit verbunden Herausforderungen, die zu lösen sind. Wenn dann das Ergebnis stimmt, bringt dieses für alle Beteiligten eine positive Erfahrung und stärkt das Zusammengehörigkeitsgefühl trotz Distanz im Homeoffice.

Die Sache mit dem Homeoffice stellt für mich den größten Knackpunkt an der Situation dar, denn es geht eine ganze Menge an Tagesroutine verloren, die doch stark zum persönlichen Wohlergehen beiträgt. Außerdem besteht für mich und meinen Mann noch die Herausforderung, dass die Betreuung unseres 3-jährigen Sohnes für zunächst unbestimmte Zeit zu regeln ist, da wird es an einigen Tagen doch mal kritisch. Als Veranstaltungsmanagerin bin ich es zum Glück gewohnt, Ablaufpläne zu schreiben und genau zu planen wann wer an welchem Einsatzort zu sein hat. Auch wenn diese im Moment eben Schreibtisch, Kinderzimmer und Küche und nicht Einlass, Garderobe und Bühne heißen. Trotz aller Pläne und Listen, Flexibilität ist und bleibt die wichtigste Kompetenz in diesen Tagen, denn meistens kommt es ja doch anders als man denkt…

Ich freue mich auf jeden Fall, wenn es (in welchem Umfang und Rahmen auch immer) zurück in die Uni geht und ich von meinem Bürofenster aus verfolgen kann, wie die Baustelle des neuen Hörsaalgebäudes voran geht!“

 

Mit digitaler Kaffeerunde gegen Social Distancing

Fabian Schumacher, Mitarbeiter im Team Hochschuldidaktik und Digitale Lehre des ZLL und selbst Lehrender in der Biologie

Arbeitsplatz mit Laptop
© Fabian Schumacher

„In Zeiten von Homeoffice und Physical Distancing kommt das Gespräch unter Kolleg*innen oft zu kurz – dabei stellt das Online-Semester ja alle Lehrenden gerade vor ganz besondere Herausforderungen! Die Idee hinter dem „Digitalen Kaffee“ ist es, interessierten Lehrenden die Gelegenheit zu bieten, ihre Erfahrungen mit dem digitalen Lehren und Lernen miteinander zu teilen. Realisiert wird das Ganze über eine Zoom-Konferenz. Bei der Premiere am 22. April haben gut ein Dutzend Kolleg*innen aus unterschiedlichen Fakultäten teilgenommen, um mehr über die Umsetzung von Vorlesungen und Seminaren als Videokonferenz zu erfahren und untereinander zu chatten. Wir bieten den „Digitalen Kaffee“ ab jetzt regelmäßig an – ohne Anmeldung, wer Lust und Zeit hat wählt sich ein. Worum es genau geht, entscheiden die Lehrenden selbst. Dinge können in dem geschützten Raum ausprobiert und Schwierigkeiten diskutiert werden. Natürlich funktioniert digitale Lehre in den Naturwissenschaften völlig anders als in schreibintensiven Fächern. Mein Eindruck von der ersten Runde war jedoch, dass die Probleme und Fragen trotzdem oft dieselben sind.“

Rasen, Bäume und Sträucher wachsen trotzdem

Sascha Gabbei, Gärtnermeister, zuständig für Gärtner- und Winterdienste an der Universität Bielefeld, seit 23 Jahren an der Universität Bielefeld

Blumenwiese
© Universität Bielefeld

„Die Natur weiß nichts von der aktuellen Corona-Pandemie – Rasen, Bäume und Sträucher wachsen trotzdem. Auch auf einem weitgehend menschenleeren Campus müssen die Gärtnerarbeiten daher weiterlaufen. Gelegentlich macht der fehlende Publikumsverkehr die Arbeit für meine Kollegen und mich sogar einfacher – so das Müllaufkommen deutlich reduziert, die Vorplatzpflege muss seltener erfolgen und wir können ohne Beeinträchtigung durch hohes Publikumsaufkommen arbeiten, wenn wir wie aktuell geplant z.B. Blumensamen für die Blühstreifen entlang der Laufwege zwischen X-Gebäude und Fachhochschule säen oder aber Mäharbeiten an Parkplatzflächen anstehen.

An der einen oder anderen Stelle ist es natürlich auch sehr schade, dass so wenige Beschäftigte und Studierende aktuell auf dem Campus sind. So verpassen viele beispielsweise den breiten Streifen blühender Narzissen vor den Parkhäusern, den wir im letzten Jahr als eines der Ergebnisse aus dem Ideenwettbewerb mehr Aufenthaltsqualität auf dem Campus gepflanzt haben. Frei gewordene Zeit nutze ich für Schreibtischtätigkeiten, zu denen ich durch das Tagesgeschäft im normalen Alltag zu selten komme. Dafür bin ich deutlich mehr als üblich mit Koordination beschäftigt, da viele Kollegen im Homeoffice sind und manche Dinge nur vor Ort geklärt werden können. Somit muss vieles im Vorfeld abgeklärt werden und geht nicht mehr ad hoc.“

Routine einhalten bleibt wichtig

Laureen Schumann, Studentin

Studentischer Arbeitsplatz im Home Office
© Laureen Schumann

„Ein Semester ganz ohne Präsenz – noch ist es schwierig, sich auf diese Möglichkeit vorzubereiten. Für uns Studis wird sich erst im Laufe der nächsten Wochen zeigen, wie die Lehre genau aussehen wird und welche Kurse (digital) überhaupt noch stattfinden können. Wichtig ist für mich dann, eine Routine einzuführen. Als hätte ich einen normalen Stundenplan, nur ohne die Fahrtzeit. Ich brauche feste Zeiten, um am Ball zu bleiben, und der Vorteil dieses ungewöhnlichen Semesters ist, dass ich sie selbst festlegen kann. Im Schlafanzug auf dem Sofa lernen, funktioniert für mich erfahrungsgemäß leider trotzdem nicht. Ich muss meinen Schreibtisch frei räumen, mein Handy auf stumm stellen und alle anderen Anwendungen meines Laptops schließen, um mich nicht ständig ablenken zu lassen.

 Mit Kommilitoninnen und Kommilitonen in Kontakt zu bleiben, ist dabei zum Glück kein großes Problem. Auch wenn es schade ist, nicht mehr gemeinsam arbeiten zu können, bleiben ja Textnachrichten und Videokonferenzen. Wir müssen uns jetzt komplett umorganisieren. Als studentische Hilfskraft an der Uni kann ich im Home Office weiterarbeiten. Es gibt aber einige, die jetzt ihren Nebenjob verlieren oder als Aushilfe im Supermarkt umso mehr eingespannt werden. Das „Studentenleben“ ist in diesem Semester ein anderes. Daran werden wir uns hoffentlich schnell gewöhnen, die positiven Aspekte erkennen und am Ende trotzdem erleichtert sein, wieder im Hörsaal zu sitzen.“

Postservice arbeitet im Basisbetrieb

Volker Schürmann, Leitung des Postservices

Regale des PostServices
© Volker Schürmann

„Die Post bleibt auch in Zeiten wie diesen nicht aus. Deswegen gehört der Postservice zu den Diensten, die weiterhin vor Ort in der Universität erledigt werden. Natürlich haben wir nötige Sicherheitsvorkehrungen getroffen, um das tun zu können. Wir arbeiten deswegen nun in verkleinerten Teams. Der Kontakt mit den Kolleg*innen verläuft dabei etwas anders: Wir telefonieren viel mehr als vorher und sehen uns weniger. Aber wir stimmen unsere Aufgaben und deren Aufteilung eng miteinander ab, sodass der Basisbetrieb weiterlaufen kann.

Natürlich ist die Situation vor Ort sehr ungewohnt und fast ein bisschen surreal: Die Flure erscheinen gespenstisch leer und wir begegnen viel weniger Menschen als sonst. Auch die Ergebnisse auf meinem Schrittzähler haben sich fast halbiert, da wir nicht mehr alle Wege gehen können.

Es gibt aber auch nette Erfahrungen. Einige Mitarbeiter*innen sind überrascht, dass sie weiterhin ihre Post und Bestellungen von uns erhalten. Dafür gibt es viel Lob, aber auch Verständnis, wenn es an manchen Stellen kleinere Verzögerungen oder Einschränkungen gibt.“

Ein virtuelles Willkommen an der Universität Bielefeld!

Leonie Wiemeyer, Koordinatorin eines DFG-Graduiertenkollegs in der Wissenschaftsphilosophie an der Universität Hannover

Leonie Wiemeyer begrüßt die beiden neuen Bielefelder Doktoranden David Stöllger und Fabio Tollon (aktuell in Südafrika) virtuell an ihrem ersten Arbeitstag an der Universität Bielefeld.
© Leonie Wiemeyer

„Als Koordinatorin eines DFG-Graduiertenkollegs in der Wissenschaftsphilosophie, das die Universitäten Hannover und Bielefeld in Kooperation durchführen, war ich in den letzten Tagen an den Einstellungsvorgängen zweier neuer Doktoranden beteiligt. Ziel war es, dass die beiden zu Anfang April in Bielefeld starten können. Ich selbst bin an der Uni Hannover angestellt und erst seit Anfang März im Projekt tätig. Jetzt bin ich im Home Office und kenne an der Uni Bielefeld noch längst nicht alle Beteiligten und Kolleg*innen aus der Verwaltung. Trotzdem empfinde ich die Zusammenarbeit in Zeiten der Corona-Krise außergewöhnlich unterstützend und toll. Ich möchte auf diesem Wege ein großes Lob an die Kolleg*innen aus dem Personaldezernat aussprechen, die in der Krise weiterhin ständig ansprechbar sind und flexibel und menschlich agieren. Tatsächlich konnten wir trotz aller Schwierigkeiten beide Doktoranden am 1.4. - vorerst virtuell – begrüßen! Das ist, wie ich finde, ein wunderbares Beispiel für #UniBiUnited.“

„Viele sind erleichtert, aktuell eine persönliche Ansprechpartnerin zu erreichen“

Melanie Albrecht, Sachbearbeiterin in der Telefonzentrale des Studierendensekretariats

Mitarbeiterin in der telefonischen Beratung
© Melanie Albrecht

„Die Telefonzentrale des Studierendensekretariats und der Universität ist in der aktuellen Situation die erste Anlaufstelle für viele Studierende und Bewerber*innen mit dringenden Fragen. Wir bekommen deswegen viel von deren akuten Sorgen mit. Es geht dabei um praktische Problemen wie der Validierung der UniCard, Fragen zur Organisation des Sommersemesters, bis hin finanziellen Nöten bei ausfallenden Nebenjobs.

Unser Arbeitsumfang hat sich dadurch erhöht. Wir als Team geben wir uns große Mühe, alle wichtigen Anliegen zügig zu bearbeiten oder an die richtige Stelle zu leiten, damit ein möglichst reibungsloser Ablauf gewährleistet werden kann. Viele Anrufer*innen verspüren aber schon im Gespräch mit uns Erleichterung. Sie sind froh, dass sie ihre Frage an eine persönliche Ansprechpartnerin richten können, die zuhört und Tipps zum weiteren Vorgehen gibt.

Normalerweise sitzen wir zu dritt zusammen, nun aber in Einzelbüros. Die gewohnte Umgebung vermisse ich gerade schon etwas, weil wir so ein eingespieltes Team sind.“

Die Service-Hotline des Studierendensekretariats ist unter 0521 106 6666 erreichbar.

„Online nachmachen und mitmachen“

Maren Ungethüm und Christopher Rudolph, Team Hochschulsport

Videodreh des Online-Sportprogramms
© Universität Bielefeld

Zwei Quadratmeter und seinen eigenen Körper – mehr braucht es nicht, um von zu Hause aus fit zu bleiben. Wahrscheinlich sind eher Motivation oder Inspiration für ein Training zu Hause ein Problem. Deshalb arbeiten wir vom Hochschulsport Bielefeld zurzeit an Online-Einheiten zum Nachmachen und Mitmachen.

Bereits auf unseren Seiten verfügbar sind Übungen aus dem Pausenexpress-Programm. Eigentlich sind diese Videos als sportliche Pausenanregung für die PC-Arbeit im Büro oder in der Bibliothek gedacht. Sie eignen sich aber auch für das Homeoffice. Wer ein bisschen mehr machen möchte, kann bekannte Übungen wie Liegestütze, Kniebeugen und Sit-ups in mehreren Sets nacheinander machen.

Unser Angebot geht aber natürlich über diese Ideen hinaus. Deshalb arbeiten wir an Online-Kursen für verschiedene Schwierigkeitsgrade und Übungsformen. Einige Einheiten haben wir noch im UniFit aufgenommen, andere entstehen gerade aus dem Homeoffice der Übungsleiter*innen heraus. Wir veröffentlichen unsere Angebote in diesen Tagen auf unserer Webseite, unserem Facebook- und Instagram-Kanal und versuchen regelmäßig für Nachschub zu sorgen. Jede*r ist eingeladen mitzumachen.“

#meineuni #UniBiUnited #gemeinsamschaffenwirdas

„Rituale helfen, Beruf und Privatleben zu trennen“

Jörg Kastning, Mitarbeiter im Bielefelder IT-Servicezentrum

Möge die Macht mit dir sein: Yoda wacht über den Homeoffice-Platz .
© Jörg Kastning, privat

Von Daheim zu arbeiten, ist für viele Kolleg*innen und mich eine völlig neue Situation. Meiner persönlichen Erfahrung nach hat es dennoch gut geklappt. Glücklich ist, wer ein Arbeitszimmer hat. Denn hier findet sich nicht nur entsprechendes Mobiliar und Platz für die notwendigen Arbeitsmittel. Es hilft mir auch dabei, Berufliches und Privates voneinander zu trennen. So habe ich eine Arbeitsfläche auf meinem Schreibtisch von meinen Bastel-Projekten befreit und dort die Gerätschaften aufgebaut, die mein Arbeitgeber mir mitgegeben hat (außer dem Baby-Yoda, den meine Frau gehäkelt hat und der schicken R61-USB-Tastatur, das ist meine :D ).

Vor dem Wechsel ins Homeoffice hatte ich ca. 40 Minuten Fahrtzeit mit dem Auto von der Dienststelle nach Hause. Zeit genug, um abzuschalten. Jetzt beträgt die einfache Wegstrecke zur virtuellen Dienststelle ca. 2,5 Meter. Um nun dennoch möglichst schnell abschalten und ins Privatleben wechseln zu können, habe ich mir ein paar einfache Rituale angewöhnt, die mir helfen, mir Beginn und Ende meiner Arbeit bewusst zu machen. Dazu gehört, dass ich jeden Morgen zum Arbeitsbeginn die Jalousie im Arbeitszimmer hochziehe, das Fenster zum Lüften öffne und mir ein frisches Glas mit Wasser zurecht stelle. Erst dann schalte ich das Notebook ein und beginne meinen Tag damit, dass ich meine Kolleg*innen in unserem Teamchat grüße und ihnen einen schönen Tag wünsche.

Zum Feierabend hin ist der Ablauf sehr ähnlich. Ich verabschiede mich aus dem Teamchat, beende die Verbindungen zu den Systemen, mit denen ich den Tag über gearbeitet habe, fahre das Notebook herunter, schließe die Jalousie des Arbeitszimmers, räume Gläser, Tassen und leere Flaschen ab und ziehe beim Verlassen des Arbeitszimmers die Tür hinter mir zu. Dies alles sind nur kleine und unscheinbare Tätigkeiten, doch helfen sie mir dabei, Beginn und Ende der Arbeit bewusst wahrzunehmen. Bisher empfinde ich die Arbeit von daheim als angenehm. Ich kann weitgehend ungestört von äußeren Einflüssen arbeiten und der lange Arbeitsweg entfällt. So kann ich weniger Zeit auf der Straße und mehr Zeit mit meiner Familie verbringen.

„learning by doing“

Prof. Dr. Ralf Stoecker, Studiendekan Abteilung Philosophie

Bild von Bildschirm, auf dem gerade eine Video-Konferenz stattfindet
© Ralf Stoecker

„Wir haben bereits frühzeitig im Professorium den Entschluss gefasst, Angebote für die Lehre zu schaffen, die ohne Kontakt auskommen. Die organisatorischen und technischen Grundlagen dafür sind geklärt, nun werden wir verschiedene Formate ausprobieren und uns das regelmäßig Feedback der Studierenden einholen, was gut funktioniert und was weniger.

Gerade im Fach Philosophie ist der Verzicht auf Präsenz eine Herausforderung, weil philosophisches Nachdenken – so war es bereits bei den alten Griechen -  im Kern durch das persönliche Gespräch entsteht. Aber wir sehen die Situation auch positiv: vielleicht finden wir tolle Formate, die unsere traditionellen Lehrformen auch langfristig ergänzen (aber nicht ersetzen!) können, weil sie beispielsweise den Studierenden mehr Flexibilität erlauben als feste Vorlesungszeiten.

Ich persönlich merke jetzt schon, dass ich immer offener für persönliche Gespräche werde, die technikvermittelt sind. Vielleicht werde ich diese Erfahrung nutzen, in Zukunft auf die eine oder andere Reise zu verzichten.“

#UniBiUnited

„Improvisation ist alles“

Melanie Fröhlich, Mitarbeiterin im ZLL

Matratze, die eine Treppe herunter gerutscht ist
© Melanie Fröhlich

"Normalerweise mache ich bewusst kein Homeoffice, weil ich die Gleichzeitigkeit von Arbeit und Zuhause nicht mag. Jetzt, zuhause mit zwei kleinen Kindern im Alter von 3 und 6 Jahren, ist an klare Planung und Struktur meines Arbeitstages nicht zu denken, ich muss flexibel sein. Ich arbeite im Wohnzimmer und eigentlich überall und immer, wo es gerade geht. Parallel machen die Jungs natürlich auch manchmal Quatsch, rutschen auf Matratzen die Treppe runter oder löffeln heimlich aus dem Nutella-Glas. Dass die Schulen und Kitas schließen war abzusehen, nicht jedoch wie die Arbeitgeber reagieren. Ich bin über die Option Homeoffice sehr dankbar. Wir im Team suchen jetzt einfach neue Formen, uns auszutauschen – per Telefon, Videokonferenz oder einfach wahnsinnig vielen Mails. Das geht auch, aber ich freue mich, wenn ich auch einfach wieder über den Schreibtisch rufen kann."

#UniBiUnited

Mathematisch erklärt: Warum wir zuhause bleiben müssen.

Prof. Dr. Moritz Kaßmann, Fakultät für Mathematik

„Ich habe die ersten Ausgangssperren am 21. März in Bayern und in einigen Städten in NRW zum Anlass genommen, um ein Video zu erstellen, das die Verbreitung des Coronavirus mit Mitteln der elementaren Mathematik kommentiert. Ich versuche damit zu erklären, dass die Lage wirklich sehr ernst ist und ich möchte deutlich machen, warum es so wichtig ist, dass wir jetzt alle zuhause bleiben. Auch wenn wir jetzt einen langen Atem brauchen, werden die einschränkenden Maßnahmen Wirkung zeigen – das könnte man auch mathematisch gut modellieren.“

#UniBiUnited

Wie Lernraum, Handreichungen und Twitter-Tipps das Distance Learning möglich machen

Dr. Birte Förster, Akademische Oberrätin in der Abteilung Geschichtswissenschaft

Dr. Birte Förster
© Birte Förster

„Die aktuelle Situation ist für Lehrende und Studierende eine große, aber auch spannende Herausforderung. Als neue Lehrende an der Universität Bielefeld werde ich hier im Sommersemester meine ersten Seminare mit und für Studierende halten. Derzeit plane ich, erst einmal über E-Learning zu unterrichten. Es wird aber eine Zeit brauchen, um das gemeinsame Distance Learning einzuüben und um uns auch möglichst zeitnah darüber auszutauschen, was gut funktioniert und wo ich oder die ganze Seminargruppe nachbessern müsste. In meinen Seminaren nutze ich als Tool LernraumPlus – also ein bereits bestehendes Angebot der Universität. Dort erstellen Studierende über den Seminarzeitraum ein Portfolio zu ihren Aufgaben. Gemeinsam können wir dort auch an Seminartexten arbeiten. Die Studierenden können sich über die Moodle-Funktion in Gruppen aufteilen und gemeinsam in Studienräumen arbeiten.

Was mir neben dem Austausch zu #virtuelleLehre auf Twitter sehr geholfen hat: Der Studiendekan unserer Abteilung für Geschichtswissenschaft Professor Dr. Stefan Gorißen hat uns alle gebeten, unsere Überlegungen zur virtuellen Lehre zu teilen und daraus eine sehr hilfreiche Handreichung zusammengestellt, die zu unseren unterschiedlichen Lehrformaten passt. Inzwischen haben wir auch einen Online-Lernraum für Lehrende."

#UniBiUnited